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Sept./Okt.’15 ⋅ No pasarán

Details

  • Beginn 21. Sep. 2015
  • Ende 31. Okt. 2015
  • von 00:00
  • bis 00:00

Ort

  • St.-Mang-Platz
  • 87435 Kempten
  • Germany

NO PASARÁN: Drei „Tschechen-Igel“ auf dem St. Mang-Platz in Kempten – eine Installation von Krešimir Crash Vorich und Stephan A. Schmidt

Jene „Tschechen-Igel“ sind ein schon ikonenhaftes Symbol des 21. Jahrhunderts und haben sich bis zuletzt über die Bilder von den Todesstreifen an der Berliner Mauer in den Gedächtnissen verankert. Eine Installation der beiden Künstler Krešimir Crash Vorich und Stephan A. Schmidt aus drei solchen Panzersperren, übergroß und schwarz, trennt derzeit den Kemptener St.-Mang-Platz in Drinnen und Draußen. Nur: Auf welcher Seite ist drinnen, auf welcher stehe ich draußen?

Derzeit gedenken die Menschen in Mitteleuropa großer kriegsbedingter Jubiläen: 100 Jahre seit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges, 70 Jahre Ende des 2. Weltkrieges und 25 Jahre seit dem Fall der Mauer, der Wiedervereinigung Deutschlands und dem Ende des Kalten Krieges. Dieser über 40 Jahre währende Kalte Krieg ist paradoxerweise Bestandteil „unserer“ mittlerweile 70 Jahre Frieden.

Mit diesen Jahren und Jahrzehnten verblasst dieses ikonographische Symbol in unserer Erinnerung, während es an vielen anderen Orten der Welt täglich für Krieg, Vertreibung, Flucht, Zerstörung und Armut oder Teilung, Unterdrückung und massive Einschränkungen der Freizügigkeit steht.

„Nur weil Krieg weit weg ist, ist der Friede nicht automatisch umso näher. Mancher mag das Wort „Krieg“ nicht mehr hören – doch anderswo hört man ihn täglich: aus Kanonenrohren“, so Vorich und Schmidt.

Seit 1945 gab es keinen einzigen Tag, an dem nicht irgendwo auf dieser Welt Krieg herrschte; Friedensforscher zählten seit dem 2. Weltkrieg rund 250 solche bewaffnete Auseinandersetzungen. Im Vergleich dazu leben wir in Mitteleuropa in einer fast skurrilen wie märchenhaften Komfortzone. Wo also sollten Menschen Frieden suchen, wenn nicht hier?

Mit dieser Installation wollen die beiden Künstler diese nur räumliche Entfernung wieder relativieren – ebenso wie aktuell die unzähligen Flüchtlinge auf der Suche nach Sicherheit und Frieden uns die Folgen von Kriegen wieder direkt in unser Land und vor Augen bringen. Die großen, düsteren Tschechen-Igel mahnen am dafür historisch passendsten Ort Kemptens: 1943 befand sich am westlichen Teil des St.-Mang-Platzes ein Erd- bzw. Hochbunker, 1945 war davor ein Schützengraben ausgehoben worden. In diesem wartete am 27. April 1945 ein SS-Trupp auf die anrückenden Amerikaner.

„No pasarán“ (spanisch für „Sie werden nicht durchkommen“): Ohne das Ausrufezeichen des Originalsatzes aus Widerstand und Kriegen gegen Faschismus und Diktatur kann der Titel der Installation auch zu einer Frage verkehrt werden: Wer wird hier nicht durchkommen? Eine solche Verkehrung steckte ebenso im „Antiimperialistischen Schutzwall“, der keineswegs schützen sollte, sondern die DDR-Bürger ihres Menschenrechtes auf Freizügigkeit beraubte und manche zur „illegalen“ Flucht zwang.

Die Installation rückt zugleich die aktuelle Flüchtlingsproblematik von den Außengrenzen der EU und aus den Tageszeitungen direkt und greifbar vor unsere Augen an einen Ort deutscher Kriegsgeschichte, die auch im 3D-Animationsfilm in der Gedenkstätte Erasmuskapelle unter dem Platz wiederzufinden ist.


Während der KunstNachtKempten um 20 und 21 Uhr greift auch die Tanzschule J&J Dance das Thema auf – und beantwortet die Frage, wer durchkommen wird, auf ihre eigene, ganz optimistische Weise: »Ich bin die Welt. Ich komme aus dieser Welt, egal wo ich bin; wenn ich tanze, vereinen sich die Kontinente und Grenzen sind verschwunden.«

"No pasarán" von Stephan A. Schmidt und Krešimir Crash Vorich auf dem Heiner-Metzger-Platz in Neu-UlmDie Installation wird ab Mo. 21. September auch als Vorzeichen der KunstNachtKempten sowie bis Ende Oktober zu sehen sein.  Mehr zur KunstNachtKempten am 26. September 2015 →

Ab 9. November 2016 mahnt und „denkmalt“ No pasarán auf dem Heiner-Metzger-Platz in Neu-Ulm anlässlich der dortigen Ausstellung Kunst für Uns →

Foto Hochbunker St.-Mang-Platz: Alfred Weitnauer, 1943 / Stadtarchiv Kempten