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I would, if I only could

  • I would, if I only could
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2017
Objets trouvés (Einnetzgerät, Verpackungsnetz, lebensechte Babypuppe)
Maße variabel / ca. HxBxT 110 x 400 x 70 cm

Der Titel ist eine Textzeile aus dem Lied El cóndor pasa („Der Kondor fliegt vorüber“), das 1970 in einer englischsprachigen Überarbeitung von Paul Simon weltweit bekannt wurde. Das Original geht zurück auf eine peruanische Volksweise des 18. Jahrhunderts und wurde in ersten Überarbeitungen Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem Freiheitslied: Es beklagt die Konflikte zwischen den indianischen Minenarbeitern und den europäischen Eigentümern. Die Arbeiter scheitern, die ersehnte Freiheit und das Ende der Ausbeutung gelingen nicht. Der Kondor, das Symbol der Freiheit, zieht weiter seine Kreise und wird angefleht, „nimm mich nach Hause, in die Anden“, in das Reich der Inka nach Machu Picchu.

Die Installation selbst will möglichst interpretationsoffen bleiben; der Betrachter kann anhand der absurden, reduzierten Situation über sein Leben in (welcher?) Freiheit, sein Freiheitsempfinden, insbesondere auch sein individualistisches, reflektieren. Egal, ob rational oder emotional, subjektiv oder objektiv. Welche Wege, welchen Willen zur Freiheit habe ich – und haben wir gemeinsam? Für wessen Freiheit kämpfe ich? Wessen Unfreiheit und Unmündigkeit betrübt oder empört mich?

Oder mit Kant gesprochen: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“ Als grundlegende Vorbedingung für eine jegliche Aufklärung forderte Immanuel Kant übrigens: Freiheit.

Und er wusste: „Dass der bei weitem größte Teil der Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht) den Schritt zur Mündigkeit, außer dem dass er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich hält: dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.“

© 2017 – Fotos: Katja Egli