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I don’t think.

  • I don't think.
  • Foto: Kees van Surksum
    I don't think. Foto: Kees van Surksum

2017
Mehrkanal-Videoinstallation, 7:45 min
hier ca. 6 x 3,5 m Fläche

„Bedrückend.“ „Wie in einem Ego-Shooter.“ „Meditativ.“ „Packend.“ „Ich war in einer anderen Welt. Als plötzlich Schluss war, hat sie mich wieder ausgespuckt.“ „So dreidimensional und tief wird Fernsehen oder das Web nie sein.“ – die Reaktionen auf die Videoinstallation, die drei Wände eines Kellergewölbes einnimmt, sind so unterschiedlich, wie die Menschen nun mal sind.

Oder, wie Klaus-Peter Mayr, Kulturchef der Allgäuer Zeitung, unter der Headline „Beklemmendes im Keller“ schreibt: „Die Kamera dieser Videoarbeit irrt durch einen Wald aus braunen Stängeln, die in dieser Entenperspektive wirken wie die Stämme eines Urwalds. Der Ausstellungsbesucher, der nebenbei den muffigen Geruch eines lange verschlossenen Kellers riecht, wird von dieser etwas bedrohlichen Naturszene samt Windrauschen aus Lautsprechern fast völlig umfangen; einziger Lichtblick ist der blaue Himmel, der ab und zu aufs Tonnengewölbe fließt. „I don’t think“ hat Schmidt die Arbeit genannt, und das Nichtdenken beschert das stärkste Gefühl in dieser Ausstellung […]. Der Kemptener Künstler führt den Betrachter vordergründig in ein schönes Stück Natur, hinterrücks in eine beklemmende Lage. Wie komme ich aus diesem Dickicht bloß wieder raus? Plötzlich wird eine genussvolle Situation unerquicklich. Eine sehr emotionale und suggestive Arbeit […].“ (AZ v. 11.5.17)

Für Stephan A. Schmidt selbst ist ‘I don’t think.‘ zweierlei: „einerseits das unorientierte Nichtdenken in diesem Feld voller hochgewachsenem Elefantengras, in dem sich manchmal kurze Wege auftun, die Wind, schwerer Schnee oder Tiere hinterlassen haben. Und falls das ein Mensch war, warum sollte ich dessen Weg folgen – weiß ich, ob und was er sich dabei dachte? Zum zweiten ist der Titel ganz offen autobiografisch für das Video: Ein Konzept war nicht da. Ich hatte bei Kaufbeuren aus dem Auto dieses graugelbe, blockförmig bis auf knapp drei Meter hochgewachsene Feld inmitten grüner Landschaft gesehen, und ich wusste, ich muss was damit machen. In mir wuchs in kurzer Zeit eine fixe, klare Idee. Die habe ich umgesetzt. Und wieder rausgeschält aus dem ganzen Rationalen, das sich an jede Idee sofort dranklebt wie die Pest. Hör‘ auf zu denken (und auch nicht, was andere denken würden, wenn sie das sehen), halt die Kamera fest und lauf durch. ‘I don’t think.‘ heißt für mich auch: Ursprung und Kern der Kunst ist kein rationales Konstruieren, keine „Konzeptstrategie“, keine Wissenschaft. Auch keine Geisteswissenschaft.

Macht Schmidt nun, nach ersten Videos auf seiner letzten Einzelausstellung im Januar, auch auf Video? „Jein. Für mich ist das vielleicht künstlerisch zumindest etwas, aber technisch überhaupt nichts Neues; ich habe bereits Mitte der 90er während meines Studiums Fernsehbeiträge und Videos geschnitten.“


Die Videoinstallation ist derzeit im neu eröffneten Kellergewölbe der Galerie Kunstreich in Kempten während des Kunst- und Kulturfestivals artig’17 / 5 Jahre Kunstreich von 6. Mai bis 4. Juni 2017 zu sehen und lauft – für alle Technik-Freaks – auf drei per WLan synchronisierten Raspberry Kleinstcomputern (herzlichen Dank hierfür an Hermann K.!). Der Sound wurde auf GarageBand produziert, und die Sitzwürfel sind zum Sitzen da und keine Kunst.

Weiterführende Informationen zur artig’17:
Die Künstler der artig’17 auf www.artig.st
Das Programm der artig’17 auf www.artig.st

© 2017 – Foto oben: Stephan A. Schmidt, Foto unten: Kees van Surksum – www.keesvansurksum.com